Saurer Tower, Swiss brutalism icon in Arbon, Switzerland, © Karin Bürki. Explore more on Heartbrut.com
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Saurerhochhaus

Die Arboner Antwort auf Le Corbusiers Unité d’habitation ist das Ergebnis einer glücklichen Begegnung zweier Brüder, sozialen Kapitals sowie einer von Wirtschaftsoptimismus, Neuerfindung und gesellschaftlichem Aufbruch geprägten Ära.
Picture of Words & images: Karin Bürki

Text und Bilder: Karin Bürki

In der Schweiz der Nachkriegszeit hatte die Architektur die Aufgabe, Antworten auf die radikalen sozialen Umwälzungen und das beispiellose Wirtschaftswachstum zu finden. Das 1960 in Arbon errichtete Saurerhochhaus setzte ein frühes Ausrufezeichen. Der 13-stöckige Betonturm auf Pfählen führte im Thurgau eine neue Wohnform ein: Maisonettewohnungen für Arbeiterfamilien.

Zum Kontext: Arbon ist eine historische Stadt am südlichen Ufer des Bodensees, zwischen Konstanz und Bregenz. Im 20. Jahrhundert wurde die Stadt zum Synonym für die Firma Saurer, einen weltweit führenden Hersteller von Lastkraftwagen, Bussen, Militärfahrzeugen und Textilmaschinen. Das Unternehmen erreichte seinen Höhepunkt in den Boomjahren der Nachkriegszeit und beschäftigte über 5000 Mitarbeitende. Aufgrund des raschen Zuzugs von Arbeitskräften platzte Arbon aus allen Nähten und benötigte dringend neuen und bezahlbaren Wohnraum.

Albert Dubois, der damalige Geschäftsführer von Saurer, fand eine geniale Lösung. Er beauftragte seinen Bruder, der Architekt war, mit dem Entwurf eines markanten Wohnturms, in dem 200 «Saurer-Familien» untergebracht werden sollten. Seine Motive waren jedoch nicht ganz uneigennützig. Der «Saurerturm» sollte den Status des Unternehmens als sozial verantwortlicher Arbeitgeber zementieren und gleichzeitig als hervorragende PR dienen, um Saurer als zukunftsorientierten Global Player zu positionieren. Georges-Pierre war der perfekte Mann für diese Aufgabe, da er von 1937 bis 1940 im Atelier von Le Corbusier in Paris gearbeitet hatte. Er nutzte die Gelegenheit, um seine eigene Version der Unité d'habitation in Marseille zu bauen - Corbusiers brutalistisches Meisterwerk aus dem Jahr 1952, das die Regeln der Wohnüberbauung neu schrieb.

Dubois verkleinerte und optimierte das Unité-Design, um den lokalen Anforderungen und Vorschriften sowie den höheren Qualitätsstandards von Saurer gerecht zu werden. Seine ursprüngliche Vision war ein Komplex mit zwei Türmen, doch dieser Plan wurde aus Kostengründen verworfen. Der realisierte Block umfasst 95 Wohnungen. Diese sind aufgeteilt in einstöckige Wohnungen auf der Südseite und gestapelte Maisonettewohnungen auf der Nordseite. Der Zugang erfolgt über Laubengänge. Alle Wohnzimmer und einige der Schlafzimmer sind nach Westen ausgerichtet und befinden sich entweder im unteren oder oberen Stock. Die Maisonettewohnungen bieten einen Panoramablick auf den Bodensee und, auf der gegenüberliegenden Seite, den ländlich geprägten Thurgauer Seerücken. Auf dem Dach gibt es zwar keinen Swimmingpool wie beim Original in Marseille, dafür eine gut schweizerische Waschküche. Diese erinnert vage an die Kommandobrücke eines Ozeandampfers - vielleicht eine Anspielung auf Le Corbusiers Obsession für Dampfschiffe. Von hier aus blickt man auf neun akkurat aufgereihte Stewi-Wäschetrockner.
Der Saurerturm, der 2020 sein 60-jähriges Bestehen feierte, befindet sich in einem Top-Zustand. Flankiert von einem gepflegten Formschnittgarten und umgeben von grosszügigen Grünflächen und einem Gemeinschaftspark strahlt das Gebäude die makellose Postkartenperfektion aus, wie sie nur die Schweiz hervorbringen kann. Im Laufe der Jahre ist die Zusammensetzung der Mietparteien vielfältiger geworden. Heute überwiegen Singles und Paare bei weitem gegenüber Saurer-Mitarbeitenden und Familien mit Kindern. Auch wenn die Stockwerke nicht mehr in Fussballspielen gegeneinander antreten, ist der starke Gemeinschaftsgeist ungebrochen. Im Jahr 2009 wurden im Rahmen einer umfassenden Instandsetzung der Beton, die Infrastruktur und die Küchen auf den neusten Stand gebracht. Die Anzahl der Zimmer in den Maisonettewohnungen wird schrittweise reduziert, um mehr Wohnraum zu schaffen. Diese jung gebliebene Beton-Schönheit geniesst sichtlich ihre besten Jahre. Auf dich!