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St John's Church, St.Johanneskirche, © Karin Bürki/Heartbrut. Explore more on Heartbrut.com

St.Johanneskirche

Text & Bilder: Karin Bürki

Text & Bilder: Karin Bürki

Das Zweite Vatikanische Konzil von 1962 war ein Gottesgeschenk für den Brutalismus. Die römisch-katholische Kirche bewarb die neu entdeckte Modernität und Fortschrittlichkeit mit zukunftsweisenden Bauten und einer Carte Blanche für junge, wilde Architekten.

Und keine andere Diozöse hat mehr avantgardistische Beton-Residenzen für Gott gebaut wie die römisch-katholische Kirche der Schweiz. Ihr bevorzugter Architekt war Walter Maria Förderer. Die Johanneskirche ist der zweite Sakralbau des gelernten Bildhauers, der sein Handwerk als Volontär beim bekannten Basler Architekten Hermann Baur lernte. Förderer blieb dabei ein unorthodoxer «Betonhauer», der bewohnbare Skulpturen schuf. Die Johanneskirche ist keine Ausnahme: Die charakteristischen polymorphen, eckigen Formen und ineinander verschachtelten Elemente stechen sofort ins Auge. Die etwas gedrungen wirkende Anlage bettet sich gut ins Würzenbachquartier ein und umfasst neben der Kirche ein , Pfarrhaus, eine Kapelle, Unterkunft sowie eine Schule.

Man stelle sich die Kollision eines detonierten Schweizer Alpenbunkers aus dem Zweiten Weltkriegs mit Kurt Schwitters Merzbau (googeln) vor und addiere einen Schuss Neu Gotik-Bombast: Das Beton-Grotto im Monumental-Format war nicht nur schockierend neu, sondern geradezu ungeheuerlich ketzerisch - zumindest in den Augen der damaligen Architekturkritik. Förderer zeigte jedoch keinerlei Erbarmen vor den Puristen der Moderne, die alles Individuelle, Dekorative und Ekzentrische strikt ablehnten. Die Kirche gab trotzdem ihren Segen.
Eine Farb-Intervention der Künstlerin Monika Kiss Horvath aus dem Jahr 2001 entkräftigte die muskulöse Machohaftigkeit und betonte die nuanciertere, spirituelle Seite von Förderer. Das Farbspektrum reicht von Himmelblau im Bereich des Altars über Grapefruit bis zum Granatapfelrot der Orgel. Leichtigkeit und Heiterkeit mögen nicht in die Zehn Gebote der Brutalistischen Architektur gemeisselt sein, aber die bewusste Missachtung gängiger Konventionen zeugt wiederum von wahrem Glauben. Amen.
St John's Church, St.Johanneskirche, © Karin Bürki/Heartbrut. Explore more on Heartbrut.com

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La Tulipe (The Tulip), Centre for Medical Research, Geneva 1975-1976,© Karin Bürki/Heartbrut, Swiss Brutalism. Explore more on Heartbrut.com
Franziskushaus, verlassenes Konferenzzentrum Otto Glaus, 1969, Schweizer Brutalismus. Text und Bilder: Karin Bürki. Heartbrut.com
PMS Kreuzlingen, Esther + Rudolf Guyer © Karin Bürki/Heartbrut. Explore more on Heartbrut.com
Goetheanum, Rudolf Steiner, Dornach, 1924-1928, Swiss Brutalism, © Karin Bürki/Heartbrut. Explore more on Heartbrut.com