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Triemli-Tower, Triemli-Turm, Esther + Rudolf Guyer, © Karin Bürki/Heartbrut. Explore more on Heartbrut.com

Triemliturm

Picture of Words & Photography: Karin Bürki

Text & Bilder: Karin Bürki

Da steht er, wie ein ramponierter und angeschlagener Dropout aus einer frostigen Science-Fiction Zukunft: Dieser brutalistische Monolith lässt niemanden kalt.

Unverfroren schroff und sehr, sehr brutal - der Triemli-Turm macht absolut keinen Hehl daraus, dass er niemandem gefallen will: Der 43 Meter hohe Betonturm beim Stadtspital dreht der Stadt den Allerwertesten zu und zeigt ästhetischen Befindlichkeiten gnadenlos den Stinkefinger. Von allen frühen Zürcher Béton-Brut-Bauten ist er derjenige, der sich am konsequentesten jenen brutalistischen Kernqualitäten verschrieben hat, die der einflussreiche britische Design- und Architekturkritiker Reyner Banham in den fünfziger Jahren wie folgt definierte: «Was den Neuen Brutalismus ausmacht, ist eben seine Brutalität, dieses Mir-egal-Sein, diese Sturheit.»

Der kühne Betonturm am Fusse des Uetlibergs war von Anfang an dazu verdammt, ein Dasein als ungeliebter Solitär zu fristen. Als 1957 die ersten Pläne für ein Personalhochhaus des neuen Stadtspitals publik wurden, titelte der «Tages-Anzeiger», scheinbar knapp vor dem Herzinfarkt: «Alarm im Triemli!» Kein Wunder. In einer Stadt, deren architektonische Ambitionen sich bis weit in die sechziger Jahre hinein in heiterer Heimatstil-Idylle und Gartenstadt-Romantik erschöpften, galten Hochhäuser grundsätzlich als höchst suspekt. Man befürchtete eine «Manhattanisierung» der Limmatstadt. Heute lautet die Diagnose: Angst vor Dichtestress. Zwar hat sich das Verhältnis der Stadt zum Hochhausbau bekanntlich entspannt. Doch die ablehnende Haltung gegenüber dem Triemli-Turm hält sich hartnäckig: 2018 wählte die Leserschaft der Pendlerzeitung «20 Minuten» die Brutalismusikone zum «hässlichsten Gebäude der Schweiz».
Die Mieterinnen und Mieter selbst sehen die Sache wesentlich entspannter. Sie schätzen die kompakten, aber gut geschnittenen Wohnungen mit Design-Details wie Schiebetüren. Jedes Zimmer verfügt über einen separaten Balkon, was einen einzigartigen Panoramablick über die Stadt bis in die Bergen sowie auf die Waldwand des unmittelbar benachbarten Uetlibergs erlaubt. Die Mieten sind für die Gegend moderat und der Zugang zu Stadtzentrum, Spital und Natur leicht und nah. Es mag für einige frustrierend sein, aber als unter Schutz stehendes Objekt bleibt der Triemli Turm wo er ist wo er hingehört.

© Karin Bürki/Heartbrut

© Karin Bürki/Heartbrut

Franziskushaus, abandoned former retreat house, conference centre and student campus, Otto Glaus, 1969, Swiss brutalism. Explore more on Heartbrut.com
Flamatt II, Atelier 5, Wünnewil-Flamatt, Canton of Fribourg 1961. A Swiss pioneer of brutalist architecture © Karin Bürki. Explore more on Heartbrut.com
St Anthony's Church, Antoniuskirche, Karl Moser, Basel, © Karin Bürki/Heartbrut. Explore more on Heartbrut.com
St John's Church, St.Johanneskirche, © Karin Bürki/Heartbrut. Explore more on Heartbrut.com