Ferro Haus (Pyramid by The Lake) Justus Dahinden, Zurich 1970, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki

FERROHAUS (PYRAMIDE AM SEE)

Ehemaliges Geschäftshaus / Privatklinik, Justus Dahinden, Zürich 1965-1967

© Bilder & Text: Karin Bürki / HEARTBRUT

Was wäre wenn die Mayas eine Raumstation auf dem Mars gebaut und von dort einen pyramidenförmigen Monolithen punktgenau in Gehdistanz zum Pavillon Le Corbusier und dem Zürichsee im noblen Seefeld-Quartier abgeworfen hätten?

Man könnte es durchaus mit einem einer fernen Gottheit geweihten futuristischen Tempel verwechseln. Aber das ausserirdisch anmutende Ferrohaus ist im Grunde nichts anderes als die zur Tugend gemachte Not. Und das kam so: Das vom schwedischen Metallkonzern «Ferrolegeringar AG» in Auftrag gegebene Geschäftshaus musste sich an stringente Bauvorschriften halten, die da stipulierten, dass die oberen Stockwerke zurückversetzt gebaut sein müssten. Der Architekt Justus Dahinden entwickelte daraus die Idee mit der Pyramidenform und der Verkleidung mit Cor-Ten-Stahl, eine Referenz auf das Tätigkeitsfeld des Kunden. Und was hat das Ferrohaus mit Brutalismus zu tun? Im Prinzip herzlich wenig. Aber angenommen, es wäre aus Beton - es würde sämtliche Kriterien erfüllen. Daher erklären wir es zum brutalistischen Bruder im Geiste.

Das Ferrohaus verdankt seine charakteristische tiefbraunrote Patina den speziellen Oxidationseigenschaften von Cor-Ten-Stahl. Das Baumaterial war vor allem während den 70ern bei Geschäftsbauten sehr gefragt. Einer der grössten Fans von Cor-Ten war der Künstler Richard Serra, der dessen typischen Schnell-Rosteffekt für seine grossflächige Land Art einsetzte, und dem Material so zu weltweiter Bekanntheit verhalf. Beim Ferrohaus wird der Effekt mit kupferfarbenen Schutzfenstern geschickt zum charakteristischen Ton-in-Ton Look akzentuiert.

Ursprünglich als Konzernbau konzipiert, verfügte die Pyramide auch über zwei luxuriöse Maisonette-Wohnungen im obersten Drittel. Für die Monatsmiete einer der 5-Zimmerwohnungen mussten für damalige Verhältnisse stolze 3000 Franken hingeblättert werden (was heutzutage ungefähr 9000 Franken entspricht). Dafür gabs unverstellte Seesicht. Seit 1993 hat sich in der Pyramide eine Privatklinik eingerichtet. Die Maya-Raumstation ist auch heute noch eines der ikonischsten Gebäude der Stadt.

Justus Dahinden war nie die erste Wahl, wenn es darum ging, ein funktionales Gebäude zu entwerfen. Der «urbanotopische» Architekt interessierte sich nicht für die restriktiven Dogmen der Nachkriegsmoderne. Als gläubiger Mensch und bekennender Anhänger von «Funktion folgt Form» betrachtete es Dahinden als seine Mission, die Architektur mit dem spirituellen und sozialen Wesen der Menschen wieder in Einklang zu bringen. Seine Entwürfe suchen die ideale Balance zwischen radikalem Design und ausgewogener Methodik. Die Frühwerke des ETH-Absolventen orientierten sich noch stark an Frank Lloyd Wright, Antonio Gaudi sowie Sakralbauten. In den 60ern war Dahinden einer der ersten hiesigen Architekten, der die gerade aufkommenden avantgardistischen Theorien und Arbeiten von Archigram und den japanischen Metabolisten absorbierte und verbreitete. Zu seinen bekanntesten Objekten zählen das Zelthaus auf der Rigi, das Einkaufs- und Freizeitzentrum Schwabylon in München und das Trigon-Dorf in Zürich Hottingen. Justus Dahinden verschied im Frühling 2020.

Ferro Haus (Pyramid by The Lake) Justus Dahinden, Zurich 1970, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Ferro Haus (Pyramid by The Lake) Justus Dahinden, Zurich 1970, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Ferro Haus (Pyramid by The Lake) Justus Dahinden, Zurich 1970, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Ferro Haus (Pyramid by The Lake) Justus Dahinden, Zurich 1970, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
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