Hochhaus zur Palme High Rise, Haefeli Moser Steiger, Zurich 1964, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki

HOCHHAUS ZUR PALME

Geschäfts-und Büroturm, Haefeli Moser Steiger, Zürich 1955-1964

© Bilder & Text: Karin Bürki / HEARTBRUT

Machen wir eine kleine Zeitreise. Zürich in den frühen 60ern. Die architektonischen Aspirationen erschöpfen sich in Gartenstadt-Beschaulichkeiten. Auftritt Hochhaus Zur Palme.

Es führte ein: Einen 50-Meter Büroturm! Einen Drive-in Bankschalter! Ein futuristisches Auto-Deck und eine Tankstelle! Eine Silberkugel, die erste Fast-Food Kette der Stadt! Einen durchgehend begehbaren Platz! Ein windmühlenförmiges Design! Mehr disruptive Modernität ging damals nicht. Und so fanden unsere lokalen Mad Men am Bleicherweg 33 einen adäquaten Spielplatz mit einem Hauch von Manhattan und etwas Italianità nur zwei Tramstationen vom Paradeplatz entfernt. Der Büro-und Geschäftskomplex ist aber nicht bloss eine weitere Schachtel auf Pfählen im späten Internationalen Stil, die in der Mitte eines zugigen Platzes steht. Zwar ist die Referenz an Frank Lloyd Wright, die das Büro Haefeli Moser Steiger (HMS) hier erweist, offensichtlich. Die Architekten, die zu den gefragtesten des Landes gehörten, waren jedoch klug genug, das damals noch stockbiedere Zürich nicht mit zu hoch gesteckten Ambitionen zu überfordern. Dafür erwiesen sie sich als frühe und fähige Anwender brutalistischer Expressivität. Die Taktik zahlte sich aus: Die Palme wedelte den Weg frei für Zürichs ersten Hochhaus-Boom.

Ein zweistöckiger Sockelbau dominiert den Platz und beherbergt eine Einkaufs-Passage sowie Büroflächen im Hochparterre. Das Deck dient als Parkplatz. An aneinandergereihte Palmwedel erinnernde, vorgefertigte Eternit-Elemente dienen als Schnee- und Sichtschutz. Der elegante Verweis auf den Gebäudenamen stellt gleichzeitig eine visuelle Verbindung zum Büroturm auf der darüberliegenden Ebene her. Dieser wird von acht grossen Säulen getragen, von denen jedoch nur zwei in voller Länge sichtbar sind. Die eine wird von einer filigranen Autorampe umrankt. Die Doppelhelix ähnelt ein wenig dem Guggenheim in New York oder ist vielleicht einfach eine Erinnerung von Werner Max Moser an sein Praktikum bei Frank Lloyd Wright.

Die Architekten überlegten sich überdies gründlich, was genau nötig und möglich war, um möglichst viele Annehmlichkeiten sowohl für den Bauherrn als auch die Öffentlichkeit aus dem speziellen 3900m2 Grundstück herauszuschlagen. Als Resultat schaffte es der Komplex, die meisten Probleme (Stichwort Innenstadt-Getto), mit denen sich urbane Bürotürme herumschlagen mussten, elegant zu umschiffen. Das Hochhaus Zur Palme katapultierte Zürich nicht nur ins Autozeitalter sondern markierte den Anfang eines veritablen Hochhaus-Booms, der eine gute Dekade lang anhalten sollte.

Die Palme ist auf Sand, Ton und Schlammsedimenten aus dem Sihl-Delta und dem ehemaligen Seegrund gebaut. Die tragenden Säulen mussten künstlich mit Pfählen auf zusätzliche 18 Meter verlängert werden, um soliden Baugrund zu erreichen.

Es gibt keinen 13. Stock. Wer hätte gedacht, dass die Herrenzimmer aus den Sechzigern so abergläubisch waren?

Der Silberkugel Fast-Food Imbiss (Innendesign: Justus Dahinden) existiert noch. Hau in ein «Silber Beefy» rein für eine herzhafte Portion 60er-Vibes. Oder schauen Sie sich diesen Clip aus dem Jahr 1962 an (am besten mit O-Ton), auf dem Sie die Bürolisten über Mittag in einer Silberkugel verfolgen können. a Silberkugel in 1962.

In der Lobby im Haupteingang befindet sich seit 1996 ein riesiger goldener Kronleuchter auf dem Boden. «The Fallen Chandelier» des Künstlers Ilya Kabakov kann als Referenz an die klassizistische Villa aus dem Jahr 1837 gedeutet werden, die mitsamt lauschigem Garten dem Hochhausgebäude weichen musste. Der Kronleuchter weint leise, wenn man genau hinhört.

Hochhaus zur Palme High Rise, Haefeli Moser Steiger, Zurich 1964, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Hochhaus zur Palme High Rise, Haefeli Moser Steiger, Zurich 1964, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Hochhaus zur Palme High Rise, Haefeli Moser Steiger, Zurich 1964, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Hochhaus zur Palme High Rise, Haefeli Moser Steiger, Zurich 1964, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Hochhaus zur Palme, Zurich, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Hochhaus zur Palme, Zurich, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Hochhaus zur Palme High Rise, Haefeli Moser Steiger, Zurich 1964, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Hochhaus zur Palme High Rise, Haefeli Moser Steiger, Zurich 1964, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
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Hochhaus zur Palme, Zurich, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Hochhaus zur Palme, Zurich, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Hochhaus zur Palme, Zurich, Modernism, Brutalism © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
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