Swissmill Tower © Karin Bürki / Heartbrut.com

SWISSMILL TOWER

Das höchste Kornsilo der Welt, Harder Haas Partner, Zürich 2013-2016

© Bilder & Text: Karin Bürki / HEARTBRUT

118 Meter Betonpoesie

Das keine Gefangene nehmende 118 Meter-Ausrufezeichen aus Beton hält gleich zwei Rekorde inne: Es beherbergt erstens das höchste Kornsilo der Welt und, zweitens, ist das am meisten polarisierende Hochhaus von Zürich. Wie es sich für einen echten brutalistischen Kämpen mit Rückgrat gehört, verteidigt der Turm aber standhaft seinen Platz im Herzen von Zürichs Kunst- und Ausgehmeile. Love it or hate it, Tatsache ist, dass Swissmill 30% des nationalen Getreidebedarfs bereit stellt. Falls Sie in der Schweiz leben und ein Coop-Kind sind, ist die Chance daher gross, dass ihr Mehl, Getreideflocken und Hartweizengriess hier verarbeiten wurden. Ach ja, es gibt noch einen Rekord: Vom Sitzungszimmer im obersten Stock aus gibt es den wahrscheinlich atemberaubendsten Blick über die Stadt, den See, und an klaren Tagen, sogar die Alpen. 

Als das ursprüngliche Kornhaus aus dem Jahr 1848 aufgestockt werden sollte, fiel der Vorschlag auf eine radikale Industriesilo-Lösung. Die Aussicht auf 21-Stockwerke schroffen Sichtbeton führte unweigerlich zu einer Kontroverse. Zwar winkte der Stadtrat 2010 das Projekt durch, doch formierte sich rasch Widerstand. Für die Einwohnerschaft des angrenzenden Quartiers Wipkingen war aber nicht die Architektur an sich Stein des Anstosses, nein, es war der einstündige Schatten, den der Turm auf das beliebte Flussbad Unterer Letten zu werfen drohte, der die Gemüter erhitzte. Innerhalb eines Monats kamen 4000 Unterschriften gegen den Gestaltungsplan zusammen. Am 13. Februar 2011 kam es zur Abstimmung. Der Plan wurde mit 55'822 Ja- zu 39'913 Nein-Stimmen angenommen, was einem Ja-Stimmenanteil von 58,3 Prozent entspricht. Die Stimmbeteiligung betrug 45,7 Prozent. «118 Meter Hässlichkeit» kommentierte die NZZ am Sonntag in ungewohnter Brutalität, als der Turm 2016 endlich fertig gestellt war. 

Bislang hat Swissmill standhaft diversen Fassadenverschönerungs-Versuchen lokaler Politiker und Start-ups widerstanden. Inzwischen freunden sich auch die Zürcherinnen und Zürcher langsam mit ihrem neuen Beton-Wahrzeichen an. Ganz besonders mit dem Schattenwurf während den Hitzewellen.

Swissmill Tower © Karin Bürki / Heartbrut.com
Zurich, Lake Zurich & Uetliberg, seen from Swissmill Tower, spring 2018 © Karin Bürki / HEARTBRUT
Zurich West & Hardbrücke, seen from Swissmill Tower, spring 2018 © Karin Bürki / HEARTBRUT
SWISSMILL TOWER, ZURICH I HARDER HAAS PARTNER, 2016 I © HEARTBRUT / KARIN HUNTER BÜRKI
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