TRIEMLI TOWER I ESTHER & RUDOLF GUYER I ©HEARTBRUT/KARIN HUNTER BÜRKI

TRIEMLI

Residential Tower, Esther & Rudolf Guyer, Zurich 1955 (design)-1966

© Bilder & Text: Karin Bürki / HEARTBRUT

Da steht er, wie ein ramponierter und angeschlagener Dropout aus einer frostigen Science-Fiction Zukunft: Dieser brutalistische Monolith lässt niemanden kalt.

Unverfroren schroff und sehr sehr brute - der Triemli Turm macht absolut keinen Hehl aus seiner Weigerung zu gefallen: Der 43-Meter Betonturm dreht seinen Allerwertesten der Stadt zu und zeigt ästhetischen Feinfühligkeiten gnadenlos den Finger. Von allen frühen Zürcher Béton Brut-Bauten, ist er derjenige, der sich am konsequentesten den brutalistischen Kernqualitäten verschrieben hat, die der einflussreiche britische Design- und Architekturkritiker Reyner Banham in den Fünfzigerjahren wie folgt definierte: «Was den Neuen Brutalismus ausmacht ist eben genau seine Brutalität, dieses Ist-Mir-Doch-Egal-Sein, die Sturheit.»

In einer Stadt, deren architektonische Ambitionen sich noch bis tief in die Sechzigerjahre hinein im heiteren Heimatstil und Gartenstadt-Romantik erschöpften, war der Betonturm von Anfang an dazu verdammt, ein Leben als einsamer Solitär zu fristen. Hochhäuser galten grundsätzlich als suspekt. Man befürchtete eine «Manhattanisierung» der Limmatstadt. Heute hiesse die Diagnose: Angst vor «Dichtestress». Als 1957 die ersten Pläne für ein Personalhochaus für das Stadtspital Triemli publik wurden, titelte der «Tages-Anzeiger», wohl kurz vor dem Herzinfarkt: «Alarm am Triemli!». 2018 kürte die Leserschaft der grössten Pendlerzeitung der Schweiz den Turm zum «Hässlichsten Gebäude der Schweiz».

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass viel der empfundenen «Hässlichkeit» einer verpfuschten Sanierung von 2013 zu verdanken ist. Der schlecht abgestimmte graue Schutzanstrich hinterliess auf dem Grossteil der Fassade Flecken, die gut und auch von weitem sichtbar sind.

Die Mieterinnen und Mieter selber sehen die Sache wesentlich entspannter. Sie schätzen die kompakten, aber gut geschnittenen Wohnungen mit Design-Details wie Schiebetüren. Jedes Zimmer hat einen separaten Balkon, was einen einzigartigen Panoramablick über die Stadt bis zu den Bergen sowie die Waldwand des unmittelbar benachbarten Uetlibergs erlaubt. Die Mieten sind für die Gegend moderat und der Zugang zu Stadtzentrum, Spital und Natur leicht und nah. Es mag für einige frustrierend sein, aber als unter Schutz stehendes Objekt bleibt der Triemli Turm da wo er ist und hingehört.

Triemli Tower Postcard, A6 I Zürich Brut Edition I © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
TRIEMLI TOWER I ESTHER & RUDOLF GUYER I ©HEARTBRUT/KARIN HUNTER BÜRKI
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