Heartbrut Interview in Meter Magazin, Das Onlinemagazin für Wohnkultur, 28.03.22. Carte Brute Zurich. Explore more on Heartbrut.com

Meter Magazin / 20 Minuten

Feature on Carte Brute Zürich

Die 20 imposantesten Betonbauten in Zürich

Rohe Betonbauten polarisieren: Für manche sind sie hässlich und verschandeln das Stadtbild, für andere ist es eine grosse Liebe und ein wichtiger Zeitzeuge der Architekturgeschichte. Die Plattform Heartbrut zelebriert kühne Brutalismus-Ikonen der Nachkriegszeit und wirft einen frischen Blick auf die reiche Sichtbeton-Tradition der Schweiz. Mit der neuen Faltkarte «Carte Brute» lassen sich 40 Betonbauten aus dem ganzen Kanton Zürich von 1898 bis heute entdecken. Autorin und Fotografin Karin Bürki hat «Heartbrut» 2019 ins Leben gerufen, im Interview erklärt sie ihre Faszination für Betonbauten und wieso gerade Zürich so ein grosses Erbe besitzt.

Fällt der Begriff Beton denken viele an graue Wohnklötze – Sie beweisen mit «Carte Brute», das Beton erfrischend vielfältig und imposant sein kann. Was fasziniert Sie persönlich an den Betonbauten?

Karin Bürki: Vor allem die Tatsache, dass das Charakterbauten mit Ecken und Kanten sind. Béton Brut und Brutalismus entstand nach 1945 aus der Not heraus, in einer Zeit, als sich alles im Auf- und Umbruch befand, auch die Architektur. Schöne Oberflächen waren da passé. Gleichzeitig sind die Bauten mit ihren einfachen Geometrien und skulpturalen Formsprache sehr, sehr fotogen. Ihr Revival verdanken sie paradoxerweise mitunter auch ihrer grossen Beliebtheit auf Instagram.

Welches ist für Sie das faszinierendste Objekt aus der Sammlung und wieso?

KB: Der filigran geschwungene Eingangsbereich der Aula Rämibühl. Seine Leichtigkeit und organische Form liefert den Beweis, dass Beton auch sehr sinnlich und poetisch sein kann. Ich kann mich daran einfach nicht sattsehen.

Wenn man einen Tag in Zürich ist, welche Bauten soll man sich genauer ansehen und warum?

Das Landesmuseum, weil der Sichtbeton in der Säulenhalle seinen ersten grossen Auftritt hatte und der Erweiterungsbau von Christ & Gantenbein gleich um die Ecke ist. Die vier markanten Hardau-Türme geniessen in Zürich Kultcharakter. Als krönender Abschluss darf eine kleine Pilgerfahrt zum Triemli-Turm nicht fehlen: Das sind 43 Meter harte, brutalistische Rohkost am Fuss des Uetlibergs. Dafür wird man mit einem fantastischen Panoramablick über die Stadt, inklusive den besten Zürcher Betonikonen, belohnt.

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