HARDAU I MAX P. KOLLBRUNNER I ©HEARTBRUT/KARIN HUNTER BÜRKI

HARDAU

Wohnsiedlung, Max P. Kollbrunner, Zürich 1976-1978

© Bilder & Text: Karin Bürki / HEARTBRUT

Mini-Manhattan trifft auf pragmatischen Schweizer Brutalismus 

Die vier markanten Türme brachten als Erste echte Grossstadt-Vibes in die Zürcher Skyline, die in den Siebzigerjahren noch weitgehend ungetrübt von Potenz-markierenden Hochhaus-Siedlungen war. Die von der Stadt als innovative Lösung für die damals stark wachsende Anzahl von wohnungssuchenden Alleinstehenden und Pensionären in Auftrag gegebene Siedlung wurde vom lokalen Architekten Max P. Kollbrunner realisiert. Sie umfasst neben den Türmen, die alle von leicht unterschiedlicher Höhe sind, auch mehrere Wohnblöcke. Man kann hier sozusagen sein ganzes Leben verbringen, denn das Angebot reicht grob gesagt vom Kindergarten und Gemeinschaftsräumen über Einkaufsmöglichkeiten, einer Tanzschule und Tankstelle bis hin zum Altersheim. Kollbrunners smarteste Design-Lösung war jedoch zweifellos der Einsatz von pigmentiertem Beton mit rauem, scharrierten Finish. Er gab der Hardau nicht nur ihr Markenzeichen, sondern signalisierte eine hoch willkommene Abkehr vom Getto-Grau, in dem die überwiegende Mehrzahl der Beton-Siedlungen um die Mitte der Siebzigerjahre immer noch gefangen war. Die Töne changieren von dunklem Weinrot an Regentagen bis hin zu einem pudrigen Ocker, wenn die Sonne brennt, was einen Hauch von mediterraner Leichtigkeit verleiht. Kollbrunners Kombination aus Manhattan und pragmatischer Schweizer Schule beweist, dass städtische Brutalismus-Siedlungen die Zeiten und Trends mit robuster Bravour trotzen können.

Der Schottenbau war ursprünglich für Alleinstehende und ältere Paare konzipiert, da damals die Stadt Hochhäuser als «nicht geeignet für Familien und Kinder» betrachtete. Nach einer schlechteren Phase in den Achtzigern und Neunzigern geht es mit der Siedlung diesseits der Jahrtausendwende dank diversen Aufwertungsprogrammen wieder aufwärts. 2007 wurden im Zuge einer umfassenden Sanierung die 2 1/2 Zimmerwohnungen der oberen Stockwerke zu grösseren Einheiten zusammengefügt. Heute ist die Hardau die Heimat eines vielschichtigen Mietermixes, der von Familien, Arbeiterinnen und Angestellten bis zu jungen Kreativen und Pensionären reicht.

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