Pyramide am See, Justus Dahinden, Zurich, Swiss brutalism icon, © Karin Bürki/HEARTBRUT. Explore more on Heartbrut.com
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Pyramide am See (Ferrohaus)

What if the Maya had built a space station on Mars and dropped a pyramid-shaped monolith precisely within walking distance of Le Corbusier’s pavilion and Lake Zurich in the affluent district of Seefeld?
Picture of Words & images: Karin Bürki

Text und Bilder: Karin Bürki

Man könnte es leicht für den futuristischen Tempel einer fernen Gottheit halten. Doch das ausserirdisch anmutende Ferrohaus ist im Grunde nichts anderes als die zur Tugend gemachte Not: Das schwedische Metallunternehmen Ferrolegeringar beauftragte den Architekten Justus Dahinden mit der Gestaltung seines neuen Hauptsitzes. Die Herausforderung bestand darin, dass die Bauvorschriften die Rücksetzung der obersten Stockwerke vorschrieben. Als Antwort darauf schuf Dahinden die ikonische Pyramidenform. Die Verkleidung aus Cor-Ten-Stahl verweist auf das Tätigkeitsfeld des Unternehmens.

Die Nachkriegs-Ikone war Teil einer umfassenden Neugestaltung des rechten Zürichseeufers in den 1960er Jahren und wurde 2021 unter Denkmalschutz gestellt. Nachdem sie von 1993 bis 2025 eine private Schönheitsklinik beherbergte, unterzieht sich die Pyramide derzeit selbst einem sanften Facelifting, um sich für ihre nächste Reinkarnation fit zu machen. Was auch immer das sein mag - die Pyramide bleibt eines der futuristischsten Gebäude Zürichs.

Und was hat die Pyramide mit Brutalismus zu tun? Im Prinzip nicht viel. Aber angenommen, sie wäre aus Beton, würde sie alle Kriterien erfüllen. Also erklären wir die Pyramide zur brutalistischen Schwester im Geiste.

Ursprünglich befanden sich im oberen Drittel der Pyramide auch zwei luxuriöse Maisonette-Wohnungen. Die Monatsmiete für die Fünfzimmerwohnungen betrug für damalige Verhältnisse stolze 3000 Franken (heute rund 9000 Franken). Unverbaubare Seesicht inklusive.
Die charakteristische rotbraune Patina der Pyramide ist auf die schnelle Oxidation des Cor-Ten-Stahls zurückzuführen. Die «Rostästhetik» war in den späten sechziger Jahren in der Firmenarchitektur sehr angesagt. Einer der grössten Fans des Materials war der Künstler Richard Serra, der den Rosteffekt für seine grossflächigen Land-Art-Arbeiten nutzte und das Material weltweit bekannt machte. Justus Dahinden ergänzte seine Zürcher Ikone mit kupferfarbenen Sicherheitsfenstern, die den charakteristischen Ton-in-Ton-Effekt erzeugen.
Never the first choice for designing a functional building, Justus Dahinden was an ‘urbanotopian’ architect who floated above the restrictive dogmas of post-war modernism. A graduate of the Swiss Federal Institute of Technology in Zurich and both a man of faith and an ardent believer in ‘function follows form’, Dahinden was on a mission to reconnect architecture with the spiritual and social essence of humanity. His works seek to strike an ideal balance between radical design and sound method. Dahinden’s early designs were influenced by Frank Lloyd Wright, Antonio Gaudi and sacral architecture. In the 1960s he was one of the first architects in Switzerland to embrace and promote the theories and works of his avant-garde contemporaries Archigram and the Japanese Metabolists. Dahinden’s notable works include the Zelthaus on Mount Rigi, the Schwabylon shopping & leisure centre in Munich and Trigon Village in Zurich. Justus Dahinden died in spring 2020.