Johanneskirche, Walter Maria Förderer, Lucerne 1970 I © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki

JOHANNESKIRCHE

Katholische Kirche, Walter Maria Förderer, Luzern 1967-1970

© Bilder & Text: Karin Bürki / HEARTBRUT

Das Zweite Vatikanische Konzil von 1962 war ein Gottesgeschenk für den Brutalismus. Die römisch-katholische Kirche bewarb die neu entdeckte Modernität und Fortschrittlichkeit mit zukunftsweisenden Bauten und einer Carte Blanche für junge, wilde Architekten.

Und keine andere Diozöse baute mehr avantgardistische Béton-Brut Residenzen für Gott, als die Schweizer römisch-katholische Kirche. Ihr bevorzugter Architekt war Walter Maria Förderer. Die Johanneskirche ist der zweite Sakralbau des ausgebildeten Bildhauers, der sein Handwerk mit einem Volontariat beim bekannten Basler Architekten Hermann Baur lernte. Förderer blieb dabei ein unorthodoxer «Betonhauer», der bewohnbare Skulpturen schuf. Die Johanneskirche ist keine Ausnahme: Die charakteristischen polymorphen, eckigen Formen und ineinander verschachtelten Elemente stechen sofort ins Auge. Die etwas gedrungen erscheinende Anlage bettet sich gut ins Würzenbachquartier ein und umfasst neben der Kirche eine Kapelle, Pfarrhaus, Unterkunft und eine Schule.

Aber es ist das Innenleben, das Brutalismus-Anhänger auf die Knie sinken lässt

Man stelle sich die Kollision eines detonierten Schweizer Alpenbunkers aus dem Zweiten Weltkriegs mit Kurt Schwitters Merzbau (googeln) vor und addiere einen Schuss Neu Gotik-Bombast: Das Beton-Grotto im Monumental-Format war nicht nur schockierend neu, sondern geradezu ungeheuerlich ketzerisch - zumindest in den Augen der damaligen Architekturkritik. Förderer zeigte jedoch keinerlei Erbarmen vor den Puristen der Moderne, die alles Individuelle, Dekorative und Ekzentrische strikt ablehnten. Die Kirche gab trotzdem ihren Segen.

Eine Farb-Intervention der Künstlerin Monika Kiss Horvath aus dem Jahr 2001 entkräftigte die muskulöse Machohaftigkeit und betonte die nuanciertere, spirituelle Seite von Förderer. Das Farbspektrum reicht von Himmelblau im Bereich des Altars und von Mandarin über Grapefruit bis zum Granatapfelrot der Orgel. Leichtigkeit und Heiterkeit mögen nicht in die Zehn Gebote der Brutalistischen Architektur gemeisselt sein, aber die bewusste Missachtung gängiger Konventionen zeugt dann doch wieder von wahrem Glauben. Amen.
St.Johannes Church, Walter Maria Förderer, Lucerne 1970 I © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Johanneskirche, Walter Maria Förderer, Lucerne 1970 I © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
St.Johannes Church, Walter Maria Förderer, Lucerne 1970 I © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
St.Johannes Church, Walter Maria Förderer, Lucerne 1970 I © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
St.Johannes Church, Walter Maria Förderer, Lucerne 1970 I © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
St.Johannes Church, Walter Maria Förderer, Lucerne 1970 I © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
St.Johannes Church, Walter Maria Förderer, Lucerne 1970 I © HEARTBRUT / Karin Hunter Bürki
Share on whatsapp
Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Scroll to Top